Moderation: Necati Öziri
„Danja, mein dementes Jahrhundert“ ist ein politischer und zugleich persönlicher Text. Sasha Marianna Salzmann erörtert im Gespräch mit dem Autor und Dramatiker Necati Öziri die Möglichkeiten und Grenzen des literarischen Schreibens in einer Zeit, die aus den Fugen geraten ist.
In dem autofiktionalen Drama erzählt Salzmann vom Großvater, der im Sterben liegt. Danja stirbt und mit ihm ein ganzes Jahrhundert. Die Enkelin an seinem Bett versteht sein Ukrainisch nicht. Zeitlebens hat er, hat die ganze Familie, nur Russisch gesprochen. „Ukrainisch ist keine Sprache“, hieß es. Und heißt es jetzt wieder im russischen Staatsfernsehen, das die emigrierte Familie nun von Deutschland aus verfolgt. Die Erinnerung überfällt den Großvater wie ein Tier und schleudert ihn durch die Zeiten: Mal spricht er von der Wehrmacht, vor der er sich in den Wäldern um Czernowitz versteckt hat, mal fragt er auf Jiddisch, was gerade in den Tunneln unter Gaza geschieht. Sein Verstand kann sich keinen Reim mehr auf die Gegenwart machen. Und vielleicht gibt es auch keinen Reim mehr auf diese Gegenwart, denkt die Enkelin an seinem Bett. Vielleicht sollte er den Kampf um seine Erinnerung lieber aufgeben. „Vergiss uns, Danja. Wäre es nicht besser, du vergisst?“
Moderation: Necati Öziri
„Danja, mein dementes Jahrhundert“ ist ein politischer und zugleich persönlicher Text. Sasha Marianna Salzmann erörtert im Gespräch mit dem Autor und Dramatiker Necati Öziri die Möglichkeiten und Grenzen des literarischen Schreibens in einer Zeit, die aus den Fugen geraten ist.
In dem autofiktionalen Drama erzählt Salzmann vom Großvater, der im Sterben liegt. Danja stirbt und mit ihm ein ganzes Jahrhundert. Die Enkelin an seinem Bett versteht sein Ukrainisch nicht. Zeitlebens hat er, hat die ganze Familie, nur Russisch gesprochen. „Ukrainisch ist keine Sprache“, hieß es. Und heißt es jetzt wieder im russischen Staatsfernsehen, das die emigrierte Familie nun von Deutschland aus verfolgt. Die Erinnerung überfällt den Großvater wie ein Tier und schleudert ihn durch die Zeiten: Mal spricht er von der Wehrmacht, vor der er sich in den Wäldern um Czernowitz versteckt hat, mal fragt er auf Jiddisch, was gerade in den Tunneln unter Gaza geschieht. Sein Verstand kann sich keinen Reim mehr auf die Gegenwart machen. Und vielleicht gibt es auch keinen Reim mehr auf diese Gegenwart, denkt die Enkelin an seinem Bett. Vielleicht sollte er den Kampf um seine Erinnerung lieber aufgeben. „Vergiss uns, Danja. Wäre es nicht besser, du vergisst?“
