Belletristik
NeuWerk / Steidl
  • Riccarda Gleichauf © Alexander Englert
  • Laura Kind © Kathrin Leisch

Moderation: Jutta Schütz

Zwei Frankfurter Autorinnen, zwei bemerkenswerte Debütromane: In Aussichten einer Empfangsdame landet eine Akademikerin landet am Empfang – überqualifiziert, existenziell abhängig, innerlich zerrissen. Zwischen Mindestlohn, Machtspielen und dem Mantra „flacher  Hierarchien“ wird der Empfangstresen zum Transitort für ein „Ich“, das nur noch funktioniert. „Riccarda Gleichaufs Prosa atmet Gegenwart: Prekäres Arbeiten und entfremdete Lohnarbeit, die teilweise Unsichtbarkeit von (Bildungs-)Biografien in der Berufswelt, das Verschwinden des geistigen Menschen durchs Funktionierenmüssen.“ Julia Mantel

Anna will es allen recht machen. Ihrem Chef und dem Kollegen, der alles besser weiß. Ihren Eltern, die sie immer wieder als Aushilfe für ihre Pension am Bodensee einspannen. Ihrem Partner Felix, der für beide entschieden hat, dass sie den nächsten Schritt gehen und eine Familie gründen sollten. Und dann ist da noch ihre perfekte Schwester mit dem perfekten Leben weit weg in Australien. Als Anna feststellt, dass aus ihren Ticks langsam handfeste Symptome werden, ist es an der Zeit, endlich für sich selbst einzustehen. Laura Kind stellt sich in ihrem Debütroman Untiefe der Frage, wie weit Fürsorge gehen darf. Mit sanftem Ton erzählt sie ungeschönt, aber niemals voyeuristisch, unaufgeregt und mit viel Empathie die Geschichte einer längst überfälligen Selbstermächtigung.

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